Über mich

Das Problem mit den Anleitungen

Ich liebe Handarbeiten – besonders häkeln.
Auch wenn ich eine große Größe trage, liebe ich es selbst gehäkelte oder gestrickte Sachen zu tragen.
Fast täglich stolpere ich über wunderschöne Häkel-Anleitungen. Wenn ich diese in einer großen Größe nacharbeite, sitzt das einfach nicht:

  • es zwickt und zwackt
  • oder es spannt
  • dann ist es hier zu lang
  • oder dort zu kurz
  • hat zu wenig Weite in den Schultern
  • oder zu wenig Weite für den Busen
  • es fehlt die Weite am Bauch
  • oder der Po ist viel zu deutlich betont
  • oder es schlabbert an allen Ecken und Kanten

Ich trage Größe 50/52 und fühle mich in solchen Sachen nicht wohl. Schön ist anders! Dann taucht wieder dieses schreckliche Gefühl auf: zu dick – zu unförmig – zu hässlich. Das Selbstbewusstsein ist mal wieder im Keller vergraben. Schnell ist der Entschluss gefasst: “Das geht gar nicht!” und wie von der Tarantel gestochen ribbel ich auf Teufel komm raus alles wieder auf. Die Wolle landet in einem Korb … und Frust macht sich breit.
Hat sich der Frust nach ein paar Tagen gelegt, arbeite ich aus dem Garn (was ich für mich gekauft habe) etwas Wunderschönes in Größe 38. Größe 38!!! Wieder mal! Meine Tochter oder die Nachbarin von gegenüber freut sich bestimmt über die tolle handgemachte Tunika oder Jacke.

Das Leben - die bittere Wahrheit

Es gab eine Zeit, in der konnte ich keine Nadel und keine Wolle ertragen. Meine Kreativität – meine Ideen – meine Lebensfreude – mein Sinn für die schönen Dinge war verschwunden.
Schuld daran war das Leben, was um mich herum stattfand. Das Schicksal hatte zugeschlagen! Erst verlor ich einen geliebten Menschen, meinen Halt und im nächsten Augenblick muss ich meinen geliebten Beruf aufgeben. *ZACK* … befand ich mich in einer Spirale voller Ausweglosigkeiten und Überforderungen. Alle Ideen und Bemühungen … nichts führte zum Erfolg, ob privat oder beruflich. Plötzlich stand ich da – allein – verzweifelt – vor den Scherben meines Lebens – und mit der Diagnose: Depression.

Auf der Suche nach einem Weg...

Den alten selbstgestrickten Kuschelpulli von hinten aus dem Kleiderschank gewühlt und angezogen. Dann bin ich dem eindringlichen Rat meines Arztes gefolgt: auf zur Psychiaterin. Die gab mir eine schreckliche Hausaufgabe: 10 Minuten am Tag mit einem Hobby meiner Wahl beschäftigen… Uff!!! Ich habe 1001 verschiedene Sachen ausprobiert… sogar joggen – und das als absoluter Sportmuffel. Ich wollte mich vor dem Handarbeiten drücken – die Erinnerungen an den Verlust des geliebten Menschen waren zu schmerzhaft.
Irgendwann hatte ich keine Optionen mehr, nichts funktionierte – Dann doch: Ran an die Nadel!
Mit jedem Tag wurde es besser! Schrittchen für Schrittchen … oder besser: Masche für Masche häkelte ich mich zurück ins Leben und in die Welt des Glücks. Neu anfangen, Kraft schöpfen, zu mir finden. Nach so vielen Jahren, hatte die Zeit der Dunkelheit ein Ende.

Auf der Suche nach Inspiration, machte ich mich in den sozialen Medien auf den Weg. Und fand zum ersten Mal eine Art von Tunika die für mich funktionierte. Endlich häkelte ich für mich! Zunächst wurde die Neue nur im heimischen Garten ausgeführt… Bis meine Nachbarin mir über den Zaun zurief: “Hey Tanja, das ist ja ein wundervolles Stück! Magst Du mir sagen, wo ich die Anleitung finde?”

Ähm, … in meinem Kopf!

Der Moment des Wandels

Plötzlich wurde ich bewundert für meine Tunika, also führte ich sie aus: zum Bäcker, zum Einkaufen … zur nächsten Familienfeier.
Überall erntete ich bewundernde Blicke und JA! … die habe ich selbstgemacht!
Ich traute mich plötzlich… mein Können zu zeigen, wurde mutiger und verwandelte immer öfter eine Idee in etwas Neues passendes für mich. Mit jedem Stück, was ich fertigstellte bekam ich mehr eine Ahnung, wie die Anleitungen sein mussten. Und mit jedem Stück, was ich wieder aufribbelte, bekam ich eine Lektion, wie sie nicht sein sollte…

Irgendwann schrieb ich Anleitungen und voller Stolz präsentierte ich eine als Veranstaltung in meiner facebook-Gruppe. Wochen und Monate vergingen – nichts passierte. Ich war enttäuscht! Glaubte meine Art von Mode interessiert niemanden.

Naja, dann eben nur für mich!

Ein Jahr später, die nächste Veranstaltung – ein voller Erfolg! So viele wundervolle Stücke sind daraus entstanden. Jedes Stück für sich ein Gedicht! Das wunderbarste, waren die begeisterten Frauen, die von neidischen Blicken berichteten. Jede von Ihnen hatte ein Kleidungsstück, was Ihr gefiel und wie maßgeschneidert passte.

Die Erleuchtung: Handarbeiten ist für mich...

Handarbeiten für mich mehr als ein Hobby oder besser gesagt: mehr als das beste Hobby der Welt!
Häkeln entspannt, macht den Kopf frei, hilft mir beim Nachdenken, beim runterfahren. Das ist meine Auszeit und mein Weg zu mir selbst und das beste ist: Frau kann zaubern. Aus einem Faden einfacher Wolle entsteht Masche für Masche ein wundervolles Einzelstück.
Mich hat es viele Jahre geärgert, das Häkelanleitungen nur in Größe 36/38/40 geschrieben sind. Ständig war ich gezwungen eine Lösung zu finden. Die Anleitung und meine Körperformen passten unaussprechlich schlecht zusammen, so das ich fertige Teile wieder aufgeribbelt habe.

Jetzt stelle ich Dir mein Wissen, meine Erfahrung und mein Können zur Verfügung und schreibe Häkel-Anleitungen speziell für große Größen! Mit Mustern, die den Rundungen schmeicheln – mit ausreichend Weite an den richtigen Stellen – ohne diesen Schlabber-Verhüllungs-Effekt. Wir kurvigen Frauen dürfen unsere Rundungen präsentieren – zeigen was wir haben – zeigen, was wir sind: wunderschöne Frauen!

Schönheit ist keine Frage von Alter und Konfektionsgröße!

– sagte Guido Maria Kretschmar (2014)

Auf wiedersehen! sagt deine KnotenHexe
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